Pierre
der kleine
Oenologe








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Die Weinprobe

Im allgemeinen versteht der Laie unter einer Weinprobe eine folkloristische Veranstaltung in einem schummrigen Keller wo ihm zu einem recht fragwürdigen, aber meist kostenlosen Probegetränk auch noch Erdnüsse dargeboten werden. Also entscheidet er sich dann meist recht schuldbewußt für den einen oder anderen Karton dieser angepriesenen Flüssigkeit. Aber dann zu Hause angekommen, steht er vor der großen Frage : "was hab ich da eigentlich gekauft....".
Sicher, die Qualität eines Weines läßt sich nach drei Kriterien recht einfach beurteilen:
1. Der Wein muß schmecken !
2. Er muß bekömmlich sein.
3. Der Preis muß stimmen.
Dies ist dann natürlich ein rein subjektives Qualitätsurteil und man darf nicht von einem Fünfmarkswein die große geschmackliche Offenbarung erwarten. Deswegen ist es manchmal recht hilfreich die Qualität der erstandenen alkoholhaltigen Zuckerlösung etwas objektiver zu beurteilen, und das geht dann so :

Die optische Prüfung

Um einen ersten Eindruck von einem Wein zu bekommen wird das bis zu einem Drittel gefüllte Glas leicht gegen eine Lichtquelle (Kerze) geneigt. Er muß klar, ohne Trübung und Schlieren sein. Danach werden folgende Punkte beurteilt:

Transparenz lichtundurchlässig, trüb, verschleiert, kristallklar, glanzhell
Farbe purpur, granat, rubin, violett, kirschrot, hochrot
Intensität leicht, kräftig, dunkel, tief, intensiv
Glanz stumpf, glanzlos, strahlend, glänzend

Die Intensität und Farbe von Weinen ist am leichtesten zu erkennen und sagt am meisten über den Wein aus :



Rotwein
zu helle Farbe leichte Weine von geringer Lagerfähigkeit, Weine aus einem kleinen Jahrgang
dunkle Farbe gute oder Spitzenweine mit schönen Zukunftsaussichten
bläulichrot sehr jung, gute Farbe für Primeurweine von der Gamaytraube und für neue Beaujolaisweine
kirschrot nicht mehr jung, aber auch noch nicht entwickelt; Höhepunkt für Weine, die weder Primeur- Weine noch lagerfähige Weine sind (2..3 Jahre)
rot mit gelbroter Schattierung Reifezustand für Weine von geringer Lager- fähigkeit, Beginn der Alterung (3..7 Jahre)
Rotbraun bis braun nur große Weine erreichen ihren Höhepunkt mit einer solchen Farbe; bei anderen Weinen ein Zeichen für zu hohes Alter.
Weißwein
fast farblos sehr jung, moderne Vinifizierung im Gärtank, gut geschützt vor Oxidation
helles gelb mit grünl. Schimmer jung bis sehr jung, im Gärtank vinifiziert und ausgebaut
strohgelb, goldgelb reif; möglicherweise im Holzfaß ausgebaut
gold-kupfer- gold-bronze- schon alt
amber bis schwarz oxidiert, zu alt

Die Geruchsprüfung

Riecht der Wein nach Säure oder Korken, dann ist er hinüber. Aber in den meisten Fällen verschafft das Bukett des Weins - die Gesamtheit der aus dem Glas aus- strömenden Geruchseindrücke- immer neue Entdeckungen. Die aromatischen Bestandteile des Buketts kommen je nach ihrer Flüchtigkeit bei der Verdunstung des Weins zum Ausdruck. Aus diesem Grund ist auch die Temperatur so wichtig. Zu kalt, kein Bukett; zu warm, zu schnelle Verdunstung, Oxidation, Zerstörung der sehr flüchtigen Düfte und Extraktion von anormalen, schweren Aromastoffen.Das Bukett des Weins vereinigt also vielerlei Düfte, die sich ständig verändern. Sie treten je nach Temperatur und Oxidation nacheinander auf, die Handhabung des Glases ist deshalb auch sehr wichtig. Man beginnt damit, den Duft aus dem unbewegten Glas einzuatmen, danach versetzt man den Wein in eine leichte Drehbewegung damit durch den Luftkontakt andere Düfte zum Vorschein kommen. Die Qualität eines Weines mißt sich an der Intensität und Komplexität des Buketts. Einfache Weine bieten nur wenig -oder gar kein Bukett. Große Weine dagegen bieten ein sehr tiefes und komplexes Bukett, welches sich ständig verändert. Das Vokabular für die Beschreibung des Buketts ist fast unbegrenzt, man vergleicht es am besten mit Düften von Früchten, Blüten, Gewüzen etc. Hier einige Beispiele :



Blüten Veilchen, Lindenblüten, Jasmin, Holunder, Iris ..
Früchte Himbeere, Johannisbeere, Kirsche, Pflaume Aprikose
Pflanzen Kräuter, Farn, Moos, Pilze
Gewürze Vanille, Pfeffer, Zimt, Paprika, Nelken, Muskat.
Balsamisches Harz, Kiefer, Terpentin ..
Tierisches Fleisch, Leder, Moschus, Wild ..
Sonstiges Erde, Tabak, Verbranntes, Röstaromen, Rauch

Die Geschmacksprüfung

Nach Augen und Nase sind nun die Zungenpapillen gefragt, um den Wein zu beurteilen. Da sie nur für vier Geschmacksrichtungen ( bitter, süß, sauer,salzig ) empfindlich sind, ist ihre pflegliche Behandlung sehr wichtig. Also, Raucher und Liebhaber von stark gewürzten Gerichten sollten lieber bei Cola, Bier und Apfelkorn bleiben. Wenn dann noch die Nase frei ist, dann steht der Geschmacksprobe nichts mehr im Wege. Dazu nimmt man einen kleinen Schluck in den Mund, ( He !! einen k l e i n e n ) atmet etwas Luft ein oder man schlüft den Wein und läßt ihn im Mund etwas erwärmen. Nun fühlt man sogleich die etwaigen Auswirkungen der Weinsäure, Kohlensäure und der Tannine. Die Tannine ziehen die Mundschleimhäute zusammen und bei zuviel Säure ist der Wein aggressiv, bei zuwenig Säure ist er flach. Bei Rotweinen bezieht sich die Ausgewogenheit auf den Säuregehalt, die Lieblichkeit und die Tannine.



übermäßige Säure zu nerviger, oft magerer Wein
übermäßige Tannine harter, adstringierender Wein
übermäßige Lieblichkeit schwerer Wein
Mangel an Säure schlaffer Wein
Mangel an Tanninen Wein ohne Rückgrat, unförmig
Mangel an Lieblichkeit Wein der trocken macht

Ein guter Wein muß sich im Gleichgewicht zwischen diesen drei Komponenten befinden. Ein großer Wein unterscheidet sich von einem guten Wein durch seinen strengen und mächtigen, wenn auch harmonischen Aufbau und durch seine Fülle in der aromatischen Komplexität.
Einen Wein kann man z.B. so beurteilen :



Positiv strukturiert, gut gebaut, kräftig, ausgewogen, mollig,elegant, fein, körperreich, reich
Negativ unförmig, schlaff, platt, dünn, wässerig,arm, begrenzt,durchsichtig, schwer, massig, grob, dick, unausgewogen

Nachdem man sich über den Geschmack des Weins klargeworden ist kann man ihn nun getrost hinunterschlucken ( Ahh ! ) , ohne allerdings zu vergessen die Länge des Weines zu messen. ( unter Länge versteht man die Zeit, in der man den Wein noch nach dem hinuterschlucken schmeckt ) Zu einer optimalen Geschmacksentfaltung des Weins gehört immer ein einfaches aber fetthaltiges Essen, denn Fett verringert die Oberflächenspannung des Weines. Dadurch wird der Kontakt zu den Papillen vergrößert, außerdem sind einige Aromate ( nur ) fettlöslich.
... und wer ißt schon nicht mal gerne was leckeres zum Wein.


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